Kirchen-Blog

Innenansichten eines verunsicherten Katholiken

Neue Zweifel

Wie lange hat die offizielle katholische Kirche eigentlich geglaubt, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums sei, der Himmel sich darüber wölbt und die Sterne und die Sonne am Himmelsgewölbe jeden Tag hin und her reisen. Zweifelsfrei lässt sich das, glaube ich, nicht feststellen. Jedenfalls hat es sehr lange gedauert bis Rom die Erkenntnisse eines Galileo Galilei und anderer zeitgenössischer Astronomen und Mathematiker (Tycho Brahe, Nikolaus Kopernikus u.v.m.) nicht nur zur Kenntnis nahm, sondern auch anerkannte. Im Falle Galileis waren es 350 Jahre. 1992 rehabilitierte Papst Johannes Paul II. Galileo Galilei in einer sehr lesenswerten Ansprache vor der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften¹. Man kann sagen, die Kirche hat einen langen Atem oder ein außerordentliches Beharrungsvermögen.

Außerordentliches Beharrungsvermögen zeichnet die Katholische Kirche allerdings auch in anderen Bereichen aus. Nur zwei Beispiele, die mir persönlich am Herzen liegen: Warum dürfen nicht auch Frauen Priesterinnen werden? Warum dürfen Priester nicht auch heiraten. Die Liste der Fragen ließe sich natürlich noch sehr ausweiten. Nun ist Beharrungsvermögen etwas, was von der Kirche gern als Vorteil gesehen wird, da sie quasi als Fels in der Brandung des sich ständig verändernden Weltgeschehens dient. Nach ihr kann man sich ausrichten, sie dient als Landmarkierung und gibt eine Richtung vor. Man könnte es allerdings auch anders interpretieren.

Man könnte aber auch von einem Festhalten an Althergebrachtem und Gewohntem, etwas ungehaltener vom Festhalten an Macht und Einfluss sprechen. Auch die nicht fehlende Aufarbeitung, Verurteilung und Bestrafung von Priestern und anderen kirchlichen Würdenträgern für Fehler, Missbrauch, Misshandlungen und Verbrechen, begangen an Kindern, Jugendlichen und all denen, die vertrauensvoll der Kirche dienten und unfassbares Leid ertragen mussten, ist Ausdruck dieses Festhaltens an der Macht. Es ist ein Angriff auf alle guten Menschen, die mit viel Engagement und Verantwortung dieser Kirche dienen. Und das ist immer noch die überwiegende Mehrheit in dieser Kirche. Aber wie lange wird das so bleiben, wenn immer mehr ihrer Kirche den Rücken kehren?

 

Reinhold Duczek,
Bönen, 21.08.2023

¹ https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/speeches/1992/october/documents/hf_jp-ii_spe_19921031_accademia-scienze.pdf

Test

Kirche in der Zeitung

Die guten Anfänge kommen aus der Stille…

… auch dieses neu begonnene Jahr.

Wir tun jedoch so, als ob daran gar nichts wahr wäre. Erst recht nicht zum Jahresbeginn. Da krachen die Böller, werden Kugelbomben gezündet bzw. fehlgezündet, Feuerwerk erfüllt den Himmel, jauchzend und jubelnd wird das neue Jahr begrüßt, Betrunkene zetteln Schlägereien an, Polizei und Rettungsdienste werden mit Pyrotechnik angegriffen,mit Steinen beworfen. Eine Gesellschaft schafft alle gesellschaftlichen Konventionen ab und glaubt, dass das zur Freiheit gehört. Betrunkene, Verletzte, Tote. Nicht alle im Lande sind laut. – Es gibt auch die Nachdenklichen, Friedlichen, die stillen Menschen, die daheim vor dem Fernseher oder draußen vor Ort fassungslos dem ungezügelten Treiben zuschauen. Menschen, die demütig sind und sich nicht für die Herrscher der Welt halten und zur Befriedigung ihrer gewaltigen egomanischen Gelüste, Länder überfallen und erobern, staatliche Ordnungen zerstören und auflösen wollen. Menschen, die sich auf das nächste Jahr freuen und viele Hoffnungen mit der Zukunft verbinden.

Natürlich kann es einem angesichts der Herausforderungen angst und bange werden: Deutschland im Wahlkampf (mit vier Kanzlerkandidaten), Trump kurz vor der Thronbesteigung, Krieg im Jemen, in Israel, in der Ukraine und an vielen anderen Stellen in der Welt, Unwetter, Waldbrände, Klimakatastrophe. Und dennoch kann es sein, dass Menschen, die guten Willens sind, (und ich glaube, das ist die Mehrheit) mit ihren Wünschen und Hoffnungen für ein gutes neues Jahr eine große Kraft entfalten können, die vieles, was im Augenblick noch hoffnungslos erscheint, zum Guten wenden kann.

Unsere Welt kann derzeit mit Stille nur wenig anfangen. Irgendwie scheint alles anders zu sein als in dieser in der Überschrift zitierten Textstelle, die ich hier einmal vollständig „Zum Sonntag“ zitieren möchte:

„Die guten Anfänge kommen aus der Stille. Im unfassbaren Schweigen spricht Gott sein Wort, den ewigen Sohn. Das Licht leuchtet, es rettet und richtet. Im Licht des ewigen Wortes steht unsere Zeit, auch dieses neu begonnene Jahr.“

Der Text erinnert uns an alles, was gut ist: ans Licht, an die Wahrheit, an diese Welt, für die nicht Gott, sondern wir die Verantwortung tragen.

Wir müssen dafür sorgen, dass diese Welt für alle eine Heimat ist und in ihrer Schönheit und Vielfalt erhalten bleibt. – Wir!

Reinhold Duczek, Pfarrei St. Barbara Bönen und Heeren, in: WAZ v. 18.01.2025

Zum Sonntag (18.01.2025)

Zum Sonntag (31.05.2024)

Zum Sonntag (31.08.2024)

Zum Sonntag (23.11. 2024)